Religionswissenschaftler melden sich zu Wort

Kurzreferat zur Buchvernissage vom 10. Mai 2004 von Christoph Peter Baumann, Religionswissenschaftler und Leiter von Inforel (Information Religion) Basel

Lieber Claude-Alain, sehr geehrte Damen und Herren,
Eine Zürcher Firma eröffnete in Basel eine Filiale und gab als Präsente Basler Läckerli mit dem blau-weissen Zürcher Wappen ab. Das lieferte in den Zeitungen in Basel Schlagzeilen. Basler sind in dieser Beziehung sehr empfindlich. Ich bringe jetzt nach Zürich garantiert echte Basler Läckerli ohne Zürcher Wappen, aber mit den herzlichen Grüssen von Inforel, Information Religion, bei dem Du ja schon einige Jahre Mitglied bist.
Als ich mich letzte Woche für diese Buchvernissage vorbereitete, musste ich dies ohne das Buch tun. Es war noch nicht bei mir eingetroffen. Kollegen meinten, dass es daran liegt, dass es im Füssli Verlag herausgegeben wird. Für ein derart grosses Werk brauche es eher Füsse als Füssli. Wie dem auch sei: Endlich liegt das fertige Werk gedruckt und gebunden vor. Das freut mich sehr. Ich möchte Dir, Claude-Alain, dazu herzlich gratulieren. Du hast nicht nur ein umfangreiches Buch geschrieben, sondern auch eine grossartige Arbeit geleistet. Dadurch, dass ich diese Arbeit in den letzten Jahren begleiten durfte, erhielt ich einen sehr guten Einblick in den Inhalt und die Arbeitsweise.
Eine Religionsgemeinschaft unvoreingenommen besuchen, mit deren Vertretern offene Gespräche führen, sich sachlich orientieren. Das ist die Arbeitsweise von Claude-Alain Humbert, die ich sehr schätze. Differenziert und sachbezogen darüber schreiben, ist eine Stärke von Claude-Alain Humbert. Er hat es offensichtlich nicht nötig, Noten auszuteilen und zu werten oder abzuwerten. Wenn ich von anderen Schreibenden über Religionsgemeinschaften lese, erfahre ich oft mehr über die Autorin oder den Autoren als über die beschriebene Gruppierung. Autobiographisches von Claude-Alain Humbert werden wir vielleicht in einem anderen Buch lesen können.
Manchmal musste Claude-Alain Humbert einen Spagat vollführen, wenn die Ansichten darüber, wie er einen Artikel zu schreiben habe, weit auseinandergingen. Dabei wurden die Frustrationstoleranz und die Fähigkeit, mit Kritik umzugehen, oft auf eine harte Probe gestellt.
Zürich ist viel grösser und hat einen See. Basel ist eine Weltstadt im Taschenformat, hat keinen See, aber den Rhein, die direkte Verbindung zum Meer. Vielleicht liegt es daran, dass Basel für sich in Anspruch nehmen darf, mit dem Buch "Religionen in Basel-Stadt und Basel-Landschaft" in der Schweiz den ersten Religionsführer herausgegeben zu haben. In Deutschland gab es nämlich schon vor etwa 15 Jahren die erste Religion-vor-Ort-Untersuchung. Dass ich als Basler und Schweizer Pionier einem Zürcher zu seinem Religionsführer Zürich gratulieren darf, freut mich.
Basel und die Grossstadt Zürich haben Gemeinsamkeiten. So wurden beide Städte zur gleichen Zeit reformiert und blieben dies auch lange Zeit. Beide Städte bekundeten Mühe im Umgang mit religiösen Minderheiten. So wurden die ersten sogenannten Wiedertäufer in der Limmat ertränkt. In Basel wurden dafür erst um 1860 die Angehörigen der verschiedenen Konfessionen rechtlich gleichgestellt. Bis 1973 war die Römisch-katholische Kirche ein Verein und erhielt also erst vor 31 Jahren den Status einer öffentlich-rechtliche Körperschaft und wurde damit gemeinsam mit der Israelitischen Gemeinde Basel der Evangelisch-reformierten und der Christkatholischen Kirche gleichgestellt.
In den letzten 100 Jahren wuchsen beide Städte und damit auch die Zahl der Religionsgemeinschaften. Claude-Alain Humbert kam bei seinen Recherchen auf eine Zahl von etwa 370, wir zählen zur Zeit in Basel über 300.
Dank den Hinweisen von Claude-Alain Humbert kennen wir unterdessen einige Gruppierungen in Basel, von deren Existenz wir nichts gewusst haben. Es ist eine weitere Stärke von Claude-Alain Humbert, dass er ein Finder und unterdessen auch Kenner der alternativen Religiosität ist.
Damit meine Rede nicht so lange wird wie der Rhein, höre ich jetzt auf und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.