Auszüge aus dem Buch

 

Hauskirchenbewegung

 

Eine Hauskirche versteht sich im Gegensatz zu einem Hauskreis, welcher Teil einer Gemeinde ist, als eigenständige (kleinere) Gemeinde. Die Gemeinde trifft sich regelmässig in einer Wohnung, das heisst in einem normalen Wohnhaus, deshalb der Name Hauskirche. Es gibt auch Formen, wo sich Christen in Schulen, Firmen, Klubs und sogar Restaurants treffen und sich ­bewusst als «Gemeinde» verstehen. In ihr finden Abendmahl und Taufe, biblische Lehre, Essen, Teilen und Gebet statt. Das ungezwungene Zusammensein um eine Mahlzeit herum ist ein wichtiges Element in einer Hauskirche.

 

Die Hauskirche findet ihren Ursprung schon zu Beginn des Christentums, als sich Christen in Häusern trafen, um zusammen zu essen, zu feiern und zu beten. Durch die Entwicklung der Amtskirche trat dieses Modell in den Hintergrund, ist jedoch nie ganz verschwunden. Nach der Reformation entwickelte sich eine Vielzahl von Bewegungen, die hauskirchliche Züge trugen, seien es die Waldenser (noch vor der Reformation), die Mennoniten, die Herrnhuter oder der frühere Methodismus.

 

Auch in den letzten Jahrzehnten gab es Hauskirchen, wenn auch nicht so bekannt. Besonders in China mussten, nachdem 1949 die kommunistische Volksrepublik ausgerufen wurde, die Christen ihre Gemeinden in den Untergrund verlegen und ihren Glauben zu Hause, in «Hauskirchen» praktizieren. Später wurden, unter anderem nach dem Beispiel von China, auch in der übrigen Welt Hauskirchen gegründet. So entstand in England in den 70er-Jahren eine Bewegung von «House Churches», von denen sich jedoch viele nach dem klassischen Gemeindemodell wieder zu einer Pastorenkirche entwickelt haben; Räumlichkeiten wurden gesucht, und das stellte dann den Beginn einer neuen Gemeinde dar. Dies ist jedoch nicht das Ziel der Hauskirchenbewegung, Ziel ist vielmehr, sich im Quartier zu treffen, ebenso sich bei einer bestimmten Grösse (bei etwa 15 Personen) wieder zu teilen, sodass an einem anderen Ort eine neue Hauskirche entstehen kann. Die «neue» Hauskirchenbewegung brach vor allem in den 90er-Jahren durch. Sie ist auch ein Phänomen der (heutigen) Zeit, in welcher sich viele Christen nicht mehr in grössere Kirchen einbringen, sondern im persönlichen Rahmen und selbstverantwortlich Gemeinde leben wollen.

 

Ein wichtiger Punkt bei der Hauskirchenbewegung ist – ähnlich bei den von John Nelson Darby beinflussten «Ortsgemeinden» –, dass man sich an dem Ort trifft, an welchem man lebt. Dort soll Kirche sein, dort soll man Kirche leben. Die Hauskirchenbewegung kennt das so genannte «Zweitaktmodell von Kirche» – wie in urchristlichen Zeiten treffen die Christen sich an zwei Orten:

1. «von Haus zu Haus», also dezentral in vielen Hauskirchen;

2. immer wieder zusammen an einem zentralen Ort, in einem grossen Saal, einer

    Halle, einem Stadion, quasi als «Stadtkirche».

 

Da es auch darum gehe, sich mit anderen christlichen Gemeinden zu vernetzen, nehmen manche Mitglieder der Hauskirchenbewegung durchaus auch an Gottesdiensten anderer Freikirchen oder (reformierter) Landeskirchen teil. Immer mehr werden jedoch auch eigene Netzwerke aufgebaut und gemeinsame Gottesdienste (verschiedener Hauskirchen zusammen) gefeiert.

 

Die Hauskirchenbewegung steht auf dem Boden der Evangelischen Allianz. Die theologische Ausrichtung ist bei jeder Hauskirche unterschiedlich, vielmals sind charismatische Züge erkennbar. Immer mehr Hauskirchen existieren als Netzwerk und nicht als unabhängige Gruppe. Sie sehen sich als lebendige und so auch veränderliche Form. Ein akzeptabler Grad an Verbindlichkeit wird jedoch erwartet. Die Hauskirchen werden von Ältesten, oft Ehepaaren, geleitet. Da im Allgemeinen für eine Hauskirche keine grösseren Kosten anfallen, werden mit dem so genannten Zehnten der Mitglieder verschiedene Missionswerke oder gemeinsame Projekte unterstützt. Für das Essen bringt jeder etwas mit, Kinder gehören dazu.

 

Im deutschsprachigen Raum gilt Wolfgang Simson als der wichtigste Repräsentant der Hauskirchenbewegung. In der Schweiz haben sich Hauskirchen (nach einem ersten Schweizerischen Hauskirchentag im Jahr 2000) in fünf Regionen aufgeteilt. Vier- bis fünfmal jährlich finden überregionale Treffen statt. In der Schweiz werden 50 bis 100 Hauskirchen geschätzt, in Zürich ist zurzeit eine bekannt. Diese wurde 1999 ins Leben gerufen und besteht aus etwa zehn Personen. Möglicherweise gibt es in Zürich noch andere, Hauskirchen sind von ihrer Art her sehr in Bewegung und schwer zu erfassen. Da es im Wesen der Hauskirchen liegt, nicht personifiziert und registriert zu werden, wird hier auf eine Veröffentlichung einer Adresse in Zürich verzichtet.

 

Literatur:

 

   • Wolfgang Simson: Das 1x1 der Hauskirchen

   • Wolfgang Simson: Häuser, die die Welt verändern

   • Ein Hauskirchen-Magazin für den deutschsprachigen Raum ist in Vorbereitung

 

Kontakt:

 

Für die Schweiz: Reinhold Scharnowski, Elsternweg 1, 3612 Steffisburg,

Tel. 033 4388877, Fax 033 4388876

rscharnowski@gmx.ch

www.hauskirchen.ch und

www.hauskirchen-argovialand.ch

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