Auszüge aus dem Buch

Koptisch-orthodoxe Kirche von Alexandrien

Das Wort Kopte heisst ursprünglich Ägypter. Die Kopten sind die Christen von Ägypten und eine der ersten Christengemeinden überhaupt. Während des 1. Jahrhunderts n.Chr. etablierte das Christentum Zentren rund um das Mittelmeer. Der Evangelist Markus besuchte Alexandrien (Ägypten) im Jahr 43 n.Chr. und gründete dort eine erste Gemeinde und die Kirche Ägyptens. Er gilt als Begründer der koptisch-orthodoxen Kirche. Schriftliche Zeugnisse sprechen jedoch schon früher von einer Annahme des Christentums durch Ägypter (Apostelgeschichte 18; 24–28). Alexandrien entwickelte sich in der Folge zu einem grossen geistigen Zentrum des Christentums, auch war es in den ersten zwei Jahrhunderten vor grösserer Christenverfolgung sicher gewesen.

Schon im 1. Jahrhundert bildete sich das Amt des Bischofs heran, beginnend mit dem heiligen Markus. Ebenso im 1. Jahrhundert und zu Beginn des 2. Jahrhunderts entstanden die Bischofsämter von Antiochien, Rom, Konstantinopel (jetziges Istanbul) und Jerusalem. Durch den Umstand, dass Alexandrien im römischen Weltreich eine wichtige politische Rolle spielte, gelangte auch der damalige Bischof von Alexandrien zu einer besonderen Vormachtstellung. Im 3. Jahrhundert war er unter den Ostkirchen der Erste, der den Titel Erzbischof führte.

Die Kopten trugen schon in den ersten Jahrhunderten einige bedeutende Beiträge zur Entfaltung der christlichen Kultur bei, so unter anderem die Gründung der ersten katechetischen Schule (religiöse Unterweisung , Auslegung der Bibel) der Christenheit in Alexandrien, die Erfindung der ersten Blindenschrift durch Didymus (311–396) und die Entstehung des Mönch- und Klostertums durch die Heiligen Antonius (251–356) und Pachomius (ca. 287–347). Durch die rege und ausgedehnte Missionstätigkeit der Kopten, welche weit über die Grenzen ihres Kontinents hinausreichte und sich bis Deutschland und Irland im Nordwesten und bis zum Sudan, Äthiopien und Indien im Süden und Südosten erstreckte, kamen die christlichen Legionäre der so genannten thebäischen Legion um 300 n.Chr. auch in die Schweiz. Diese Legion bestand aus etwa 6000 Soldaten und Offizieren, die in Oberägypten rekrutiert und nach Westeuropa versetzt worden waren, um für Rom zu kämpfen. Ägypten war damals eine Provinz des römischen Weltreiches. Zu dieser Legion gehörten auch Felix, Regula und Exuperantius, die Stadtheiligen von Zürich, welche das Wappen des Kantons Zürich zieren, ebenso die heilige Verena von Zurzach (Wappenzeichen von Stäfa). Der heilige Mauritus, Kommandant der koptisch-thebäischen Legion, weigerte sich, die Christen zu verfolgen und den römischen Göttern Opfer darzubringen. Er wurde im Wappenzeichen von St.Moritz verewigt.

In neuerer Zeit kamen die Kopten wieder nach dem Zweiten Weltkrieg in die Schweiz, seit 1981 gibt es auch in Zürich eine Gemeinde. Die ersten Gottesdienste wurden zuerst in der Kapelle der Mission catholique de langue française gefeiert, zurzeit werden sie im Reformierten Chilehuus Grüenau an der Bändlistrasse abgehalten.

Durch die beiden alexandrischen Brüder Frumentius und Aedesius wurde der christliche Glauben im 4. Jahrhundert in äthiopien eingeführt, wo er kurz darauf zur Staatsreligion ernannt wurde. Die äthiopische Kirche ist eine Tochterkirche von Alexandria, das heisst der koptisch-orthodoxen Kirche, und Äthiopien war für lange Zeit das einzige (politisch) unabhängige christliche Land Afrikas. Bei Übergriffen von Muslimen gegenüber den Kopten trat die äthiopische Kirche immer wieder für die Kopten ein.

Die koptisch-orthodoxe Kirche ist die grösste der so genannten altorientalischen Kirchen. Diese fünf Kirchen umfassen neben der koptisch-orthodoxen Kirche die äthiopisch-orthodoxe Kirche, die syrisch-orthodoxe Kirche von Antiochia, die orthodoxe-syrische Kirche des Ostens (Indien), sowie die armenisch-apostolische-orthodoxe Kirche.

Machtkämpfe und Lehrstreitigkeiten über die wahre Natur von Jesus Christus (Christologie), die im 4. Jahrhundert begonnen haben und ihren Höhepunkt 451 im 4. Ökumenischen Konzil von Chalcedon (Türkei) gefunden haben, führten schliesslich zu einer ersten grösseren Spaltung der Christenheit. Schon früher (431) spalteten sich die so genannten Nestorianer von der Gesamtkirche, da sie die Meinung vertraten, dass Christus zwei getrennte Naturen besässe, eine göttliche wie auch eine menschliche, im Gegensatz zum Beschluss der Mehrheit, dass Jesus Christus eine göttliche wie auch eine menschliche Natur besitze, welche jedoch untrennbar miteinander vereint seien. Zudem vertraten die Nestorianer die Meinung, dass Christus als Mensch und nicht als die Inkarnation des Wortes Gottes von Maria geboren wurde. Die Göttlichkeit sei nur für eine bestimmte Zeit mit der Menschlichkeit vereint gewesen. Die Nestorianer werden deshalb auch «Diophysiten» (= Vertreter der Zweinaturenlehre) genannt und sind in der apostolischen katholischen assyrischen Kirche des Ostens vereint.

Im Konzil von Chalzedon 451 wurde den fünf oben genannten Kirchen vorgeworfen, in der Frage der wahren Natur Christi die Lehre der einen göttlichen Natur Christi zu vertreten. Diese Lehre betont die Göttlichkeit von Jesus wesentlich stärker als seine Menschlichkeit, und bestreitet die volle Menschwerdung Jesu. Ihre Anhänger werden «Monophysiten» (= Vertreter der Lehre der einen göttlichen Natur) bezeichnet. Diese Lehre besagt, dass die göttliche Natur Christi die menschliche Natur absorbiert habe und die menschliche Natur dadurch völlig verloren gegangen sei. Nach heutiger Sicht ist jedoch klar, dass die damalige koptisch-orthodoxe Kirche, sowie die übrigen oben genannten altorientalischen Kirchen diese Lehre in dieser extremen Form gar nie vertreten haben. Diese so genannte eutychische Lehre (Eutychus, ca. 378–444, Vorsteher eines Klosters in Konstantinopel) wurde von der koptisch-orthodoxen Kirche, kategorisch abgelehnt und grundsätzlich verurteilt. Die altorientalischen Kirchen sind jedoch auch nicht der christologischen Formel gefolgt, welche von der Grosskirche im Konzil von 451 schlussendlich festgelegt worden ist, und anerkennen deshalb bis heute die Beschlüsse dieses Konzils nicht ans. Deshalb werden sie auch nichtchalcedonische Kirchen genannt.

Heute weiss man jedoch, dass es eher terminologische als inhaltliche Differenzen und vor allem politische Motive gewesen sind, die zur Trennung der altorientalischen Kirchen von der Grosskirche geführt haben. In einem gemeinsamen Communiqué der römisch-katholischen und der koptisch-orthodoxen Kirche, das am 12. Februar 1988 herausgegeben wurde, wurde erklärt, dass in Bezug auf die Christologie irrtümliche Interpretationen gemacht wurden und die Trennung 451 hauptsächlich politisch motiviert gewesen sei. Konstantinopel war zu der Zeit wohl die Hauptstadt des oströmischen Reiches, die theologische Macht der christlichen Welt war jedoch Alexandrien. Durch die Trennung bekam nun Konstantinopel auch in theologischer Hinsicht die Führungsrolle.

Die koptisch-othodoxe Kirche von Alexandrien versteht sich als eine äusserst traditionsbewusste Kirche, das heisst, nichts darf verändert werden. Neben der Bibel nehmen die Tradition, die Beschäftigung mit den Lehren der Kirchenväter, die drei Ökumenischen Konzilen vor Chalcedon (451) (Nizäa 325, Konstantinopel 381, Ephesus 431), die Andachten vor den Ikonen und eine sehr alte liturgische Praxis ein wichtige Rolle ein. Die koptisch-orthodoxe Kirche pflegt die sieben Sakramente. Die Gebete werden in der Kirche in arabischer und koptischer Sprache, der Sprache der alten Ägypter in ihrer letzten Schreibweise, vorgetragen. In der Diaspora wird die Liturgie in der Landessprache des jeweiligen Landes gefeiert. Der gemeinsame Gottesdienst dauert etwa drei Stunden und wird nach einer festen Ordnung abgehalten. Er umfasst Gebete, fünf Lesungen, gesungene Texte, Predigt, Lieder und die eigentliche Eucharistiefeier (Abendmahl). Diese ist nicht symbolischer Art, sondern in ihr wird die Realpräsenz Gottes erfahren.

An mehr als 200 Fastentagen im Jahr wird aller tierischen Produkte enthalten, dies umschliesst Milch, Butter, Eier und Fleisch. An den wichtigsten Fastentagen, dies sind die 55 Tage vor Ostern, den 3 Tagen des Jonas, sowie an jedem Mittwoch und Freitag ist auch das Verzehren von Fisch verboten. In den koptischen Klöstern essen und trinken die Mönche, die ihre Morgengebete um drei Uhr morgens beginnen, bis zum gemeinsamen Mittagessen nichts.

Wie bei den anderen altorientalischen und manchen Orthodoxen Kirchen sind die Hauptfeste Ostern und Weihnachten, welches jedoch erst in der Nacht vom 6. auf den 7. Januar gefeiert wird, und Epiphanie, das Fest der Erscheinung Gottes bei der Taufe Christi durch Johannes den Täufer (wird in den altorientalischen Kirchen am 19. Januar gefeiert). Allgemein sind die Laien beider Geschlechter sehr aktiv, nicht nur bei der Teilnahme an der Kirchgemeindeverwaltung, sondern auch im sozialen Bereich. Die Zeitrechnung des koptischen Kalenders beginnt 284 mit der Thronbesteigung von Kaiser Diokletian, unter dessen Regierungszeit etwa 800000 Kopten hingerichtet wurden.

Die koptische Kirche ist hierarchisch aufgebaut. Das Oberhaupt der Kirche ist Papst Schenuda III., der 116. Nachfolger des heiligen Markus (des Schreibers des ältesten Evangeliums) und Gründers der Kirche von Alexandrien. Unter dem Papst (oder Patriarchen) kommen die Metropoliten (Bischöfe) und Priester. Die Päpste werden unter den Mönchen gewählt. Die Päpste der koptischen Kirche stehen nicht in Konkurrenz zum Papst von Rom. Sie haben zwar höchste Autorität in der Kirche, gelten jedoch – im Gegensatz zum römischen Papst – in Glaubensfragen nicht als unfehlbar. Die Kopten sehen ihn ihm eher einen Bruder-Patriarchen. Ein kleinerer Teil der Kopten, die melketische Kirche, welche etwa 150000 Mitglieder zählt, ist mit Rom uniert, zudem existiert ein (kleines) Patriarchat Alexandria, welches konstantinopeltreu ist.

Unter Papst Schenuda III. wurden wesentliche Durchbrüche in der Ökumene erzielt. So wurde 1971 die von ihm vorgelegte christologische Formel (was der Grund für die Trennung nach dem Konzil zu Chalcedon 451 gewesen ist) zur Grundlage für den von Papst Paul VI. aufgenommenen ökumenischen Dialog. 1972 besuchte er den Patriarchen von Konstantinopel, welches eine Wiederaufnahme des Dialoges seit der Trennung von Chalcedon 451 bedeutete. 1973 folgte ein Besuch bei Papst Paul VI. zur Errichtung einer gemeinsamen Kommission und Initiative zur ersten ökumenischen Dialogphase. In den nachfolgenden Jahren erfolgten weitere Zusammenkünfte mit Patriarchen von anderen orthodoxen Kirchen, ebenso wurde der ökumenische Dialog mit der anglikanischen Kirche aufgenommen. All diese Gespräche und die Mithilfe der verschiedenen Gruppen haben dazu beigetragen, dass die Beziehungen wesentlich verbessert wurden. So wurde die uneingeschränkte Kirchengemeinschaft aller orthodoxen Kirchen wieder hergestellt. Ebenso wurden und werden viele Gesprächstermine mit Vertretern der verschiedenen christlichen Konfessionen sowie anderer Religionen wahrgenommen oder aufgenommen. Die koptisch-orthodoxe Kirche ist Mitglied im Ökumenischen Weltkirchenrat (World Council of Churches in Genf) sowie des Middle East Council of Churches und des African Council of Churches.

Weltweit werden etwa 14 Millionen Kopten gezählt, davon zwölf Millionen in Ägypten. Der Sitz des koptisch-orthodoxen Patriarchats befindet sich in Kairo. In der Schweiz leben rund 800 Kopten, davon verteilen sich knapp 300 auf Zürich und Umgebung sowie auf den restlichen deutschsprachigen Teil der Schweiz. Die Gottesdienste in Zürich werden von etwa 130 bis 150 Personen besucht, an Festtagen sind es bedeutend mehr. Pater Gabriel El-Anba Bischoy ist seit Pfingsten 2000 Bischof für Österreich und die deutsche Schweiz. Er ernannte Pater Sarabamom Elanba Bischoy, der nun im Kloster Einsiedeln wohnt, als Seelsorger für die Gemeinden der koptisch-orthodoxen Kirche in der Ostschweiz.

Die koptische Gemeinde in Zürich ist eine von drei koptischen Gemeinden in der Schweiz. Für die Gemeinde Genf/Lausanne, die grösste Schweizer Gemeinde, wird im Moment eine koptische Kirche gebaut. In Basel existiert eine sehr kleine Gemeinde. Die Gemeinden finanzieren sich durch Spenden.

Gottesdienste:


Jeden 2. und 4. Sonntag im Monat um 9.30 Uhr, 8.30 Uhr Vorbereitungen mit Diakon(-en) und anderes mehr, im evangelisch-reformierten Chilehuus Grüenau, Bändlistrasse 15, 8064 Zürich, Tel. 01 4322681

Literatur:

  • Samir Fawzy Girgis: Was ist die Koptisch-Orthodoxe Kirche von Alexandrien Samir Fawzy Girgis: Die koptische Herkunft der thebäischen Legion
  • Samir Fawzy Girgis: A Short Introduction to the Coptic Orthodox Church of Alexiandria, 1984
  • Samir Fawzy Girgis: A Chronology of Saint Mark, 1999
  • Tadros Malaty: Christologie
  • Die Natur Christi, Christologische Einsichten von seiner Heiligkeit Papst Shenouda
  • Rundbrief (erscheint vierteljährlich)

Kontakt:

  • Verein der koptisch-orthodoxen Kirche in der Schweiz, Postfach 6151, 8032 Zürich
  • Dr. Antoine Malek (Präsident des Vereins in der ganzen Schweiz ), Höheweg 74, 3097 Liebefeld, Tel. 031 9710238; 031 3001299 (Natel 076 510745655)
  • Maher Kamal, (Präsident des Vereins in der Ostschweiz), Seestrasse 5, 8703 Erlenbach, Tel. 01 9109744
  • www.coptic-churches.ch                                                                                                                                                                            "Copyright © 2004 by Orell Füssli Verlag AG, Zürich"