Auszüge aus dem Buch

Priesterbruderschaft St. Pius X.

Von 1962 bis 1965 tagte das 2. Vatikanische Konzil. In diesem Konzil wurden Neuerungen innerhalb der römisch-katholischen Kirche beschlossen, welche von konservativ eingestellten Priestern und Kirchenführern als eine Gefahr für die katholische Kirche betrachtet wurden. Um dieser entgegenzutreten, wurde schon innerhalb des 2. Vatikanums als Protestbewegung das «Coetus Internationalis Patrum» gegründet. Das Ziel dieser Vereinigung war die Erhaltung der reinen katholischen Lehre, ebenso wollte man sich gegenüber den progressiven Neuerungen abgrenzen. Abgelehnt wurde die Änderung der Messe, die Religionsfreiheit oder die Ökumene sowie alles Modernistische. Mitbegründer war auch Erzbischof Marcel Lefebvre (1905–1991).

1970 gründete Lefebvre die Priesterbruderschaft St.Pius X. (Papst Pius X. 1835–1914, war als konservativer Papst bekannt, der gegenüber modernen Zeitströmungen eine ablehnende Haltung einnahm). Obwohl der damalige Bischof Charrière, Bischof von Freiburg, die Priesterbruderschaft kirchenrechtlich anerkannte, wurde Lefebvre 1975 von Bischof Mamie, dem Nachfolger von Charrière, die Anerkennung wieder entzogen. 1976 weihte Levebvre 13 Diakone und 13 Priester. Dies hatte die Suspension von allen Vollmachten seines Priester- und Bischofsamtes zur Folge. In den folgenden Jahren kam es zu weiteren ungenehmigten Weihen. Als Levebvre 1988, kurz vor seinem Tod, auf eigene Initiative vier Priester als Bischöfe im Sinne seiner Nachfolge ernannte, wurde er mitsamt den neuen Bischöfen von Rom exkommuniziert. Levebvre wurde zwar (in einem Protokoll vom 5. Mai 1988) die Erlaubnis zur Weihe eines Bischofs erteilt, da er jedoch von Rom mehrere Male vertröstet worden sei, entschloss er sich am 30. Juni 1988 die vier Bischöfe zu weihen, ob mit oder ohne Erlaubnis von Rom.

Bis zur Exkommunikation spielte die Priesterbruderschaft St.Pius X. innerhalb der römisch-katholischen Kirche eher eine Aussenseiterrolle, sie wurde jedoch geduldet. Durch die Ernennung der vier Bischöfe wurde von Levebvre jedoch eine allfällige Exkommunikation und somit eine Trennung von Rom in Betracht gezogen. Dies war jedoch nur der Abschluss einer Auseinandersetzung, welche sich schon über einen längeren Zeitraum angebahnt hatte. Ein kleiner Teil der Priesterschaft (16 Priester) folgte Levebvre 1988 nicht ins Schisma (Kirchenspaltung) und gründete die Priesterbruderschaft St.Petrus. Diese halten für die Vereinigung Una Voce in Zürich ebenfalls die tridentinische Messe ab, sind jedoch vom Papst anerkannt.

In den USA erfolgte schon 1983/84 eine Spaltung von der Priesterbruderschaft St.Pius X., welche zur Gründung der Priesterbruderschaft St.Pius V. führte. Gründe waren unter anderem Kontakte von Marcel Levebvre mit Papst Johannes Paul II., der von der Priesterbruderschaft St.Pius V. grundsätzlich abgelehnt wird, sowie der Versuch, Neuerungen des 2. Vatikanischen Konzils einzuführen (die in den 60er-Jahren abgelehnt wurden), welche die Hauptursache zur Gründung der Priesterbruderschaft St.Pius X. gewesen seien.

Die Basis der Lehre der Priesterbruderschaft St.Pius X. ist die überlieferte Lehre der römisch-katholischen Kirche. Im Gegensatz zu ihr hält die Priesterbruderschaft St.Pius X. jedoch an der lateinischen (tridentinischen) Messe fest, während in der römisch-katholischen Kirche seit dem 2. Vatikanischen Konzil (spätestens seit der Einführung der neuen Messe im Jahr 1969) die Messe in der jeweiligen Landessprache abgehalten wird. Die Priesterbruderschaft St.Pius X. ist bestrebt, den wahren katholischen Glauben, so wie ihn die katholische Kirche seit 2000 Jahren lehrt, aufrechtzuerhalten. Ein ganz besonderes Anliegen ist dabei die Bewahrung (und Förderung) des Priestertums und des Heiligen Messopfers (Heilige Messe). Ökumene wird abgelehnt. Ökumenische Treffen des Papstes mit Führern von «heidnischen Religionen» werden verurteilt. «Da die einzelnen Religionen sich untereinander grundlegend widersprechen, können nicht mehrere von ihnen richtig sein. Nur eine Religion kann darum die wahre Religion sein, und dies ist die katholische Religion.»

Obwohl seit der Trennung nicht mehr Teil der römisch-katholischen Kirche, sieht sich die Priesterbruderschaft St.Pius X. nicht als schismatisch (kirchenspalterisch), sondern als ein Werk der Kirche. Die Trennung von Rom sei nicht im Sinne der Priesterbruderschaft, im Gegenteil, durch die Zeremonie der tridentinischen Messe manifestiere sie die Verbundenheit mit der Kirche. So werde in der Messe sogar für den Papst und den Diözesanbischof gebetet. Die nachkonziliare Kirche sei jedoch im Begriff, sich selbst zu zerstören, da sie seit dem 2. Vatikanischen Konzil Irrtümer angenommen habe, die den Glauben und das katholische Priestertum vernichten würden. Die Päpste Paul VI. und Johannes Paul II. seien zwar nicht häretisch (vom kirchlichen Dogma abweichend), sie hätten jedoch «manches gesagt und getan, was der Kirche und dem Glauben schwer geschadet hat». Die neue Messe sei an sich nicht ungültig, sie zerstöre aber allmählich den Glauben an das Opfer Christi, da sie meistens nur als heiliges Mahl oder Eucharistie betrachtet werde (und nicht in erster Linie als ein Opfer von Christus). Aus der Sicht der Priesterbruderschaft St.Pius X. lehrt Rom nicht mehr den römisch-katholischen Glauben, und somit sei die Priesterbruderschaft der Verteidiger und Bewahrer der katholischen Wahrheit.

In Ecône (Wallis) befindet sich ein Priesterseminar. In der Schweiz gibt es zwölf Niederlassungen und etwa 30 Messzentren (Gottesdienst-Orte), davon eines in Zürich. Den Dienst versehen 28 Priester. Zur Bruderschaft zählen sich in der Schweiz 6000 Gläubige. Weltweit ist die Bruderschaft in 30 Nationen präsent und feiert an 700 Orten die Messe. Die Bruderschaft zählt vier Bischöfe, 420 Priester, 170 Seminaristen, 60 Ordensbrüder, 200 Schwestern, ebenso werden sechs Priesterseminare, zwei universitäre Institute und 92 Schulen (inkl. Volkshochschulen und Gymnasien) unterhalten. Weltweit werden 150000 regelmässige Gottesdienstbesucher gezählt.

Die Messe ist für jedermann zugänglich. Mitgliedschaft ist für jeden getauften Katholiken möglich. Zur Gemeinde in Zürich zählen sich etwa 70 bis 80 Personen. Wochentags werden die Gottesdienste von etwa 20 bis 30, sonntags von etwa 70 bis 80 Personen besucht. Das Werk unterhält sich durch freiwillige Spenden.

In letzter Zeit hat zwischen Rom und der Priesterbruderschaft eine Annäherung in Form von Gesprächen stattgefunden. Die Priesterbruderschaft verlangt, dass es allen Priestern der römisch-katholischen Kirche erlaubt werde, die tridentinische Messe zu lesen, wenn diese es wünschen, ebenso dass die Sanktionen gegen sie aufgehoben werden. Im Gegenzug ist die Priesterbruderschaft zur Mithilfe bereit, die Glaubenskrise, in der die römisch-katholische Kirche steckt (Krise beim Klerus, in den Klöstern, beim Religionsunterricht, in der Glaubensverkündigung usw.), zu überwinden. Bezüglich des 2. Vatikanischen Konzils wird nicht alles abgelehnt, es wird angenommen, jedoch im Lichte der Tradition. Da das Konzil ausdrücklich weder von Dogmen (Glaubenslehre) noch von Verurteilungen, sondern nur über die Pastoraltheologie (Hirtenamt) sprechen wollte, soll seine Lehre im Lichte der bisherigen Glaubenslehre (Tradition) betrachtet werden. Was also mit dieser Tradition übereinstimmt, wird angenommen; was aber dieser Tradition widerspricht, kann nicht angenommen werden.

Gottesdienste:

  • Jeden Mittwoch und Freitag 19.15 Uhr, tridentinische (lateinische) Heilige Messe, Sonntag, 10.00 Uhr gesungenes Amt. Alle in der Christkönigkapelle, Im Struppen 11, 8048 Zürich Altstetten, Rosenkranz jeweils 45 Minuten vor der Hl. Messe, Beichtgelegenheiten vor den Hl. Messen.

Literatur:

  • Priesterbruderschaft St.Pius X. (Informationsbroschüre)
  • Rundbrief, Distrikt Schweiz (erscheint halbjährlich)
  • Mitteilungsblatt der Priesterbruderschaft St.Pius X. (erscheint monatlich)

Kontakt:

Priesterbruderschaft T. Pius X., Distrikt Schweiz, Solothurnerstrasse 11, 4613 Rickenbach SO, Tel. 062 2161818, Fax 062 2160022
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