Auszüge aus dem Buch

Jüdische Gemeinden in Zürich

Im späteren Mittelalter lebten die meisten Zürcher Jüdinnen und Juden an der Froschaugasse («Judengasse») und an der benachbarten Brunngasse im jetzigen Niederdorf. Ihre Synagoge befand sich an der Froschaugasse 4, der jüdische Friedhof vor dem damaligen Lindentor (Ende Neumarkt/ Hirschengraben). Vor 1343 schuf Rabbi Moses den Zürcher Sevak, einen bis heute verwendeten Gesetzeskommentar. Die Blütezeit der jüdischen Gemeinde Zürichs fand im Pogrom (Hetze, russ. Verwüstung) von 1349 ein abruptes Ende. Ab diesem Jahr wurden die Juden mehr und mehr unterdrückt, bis sie 1436 endgültig aus Zürich vertrieben wurden. Bis 1862 mussten die Juden in der Schweiz in bestimmten ihnen zugewiesenen Gemeinden leben. Das Emanzipationsgesetz von 1862 brachte der jüdischen Bevölkerung dann endlich das Recht der freien Niederlassung. Heute existieren in der Stadt Zürich neben der traditionellen Israelistischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ), der ältesten jüdischen Gemeinde in der Stadt, drei weitere jüdische Gemeinden. Dies sind die beiden (streng) orthodoxen Gemeinden Israelitische Religions-Gesellschaft Zürich (IRG) und Agudas Achim sowie die betont liberal jüdische Gemeinde Or Chadach. Die IRG und Or Chadasch wurden von ehemaligen Mitgliedern der Cultusgemeinde ins Leben gerufen. Weiter bestehen ein paar kleinere private Gemeinschaften, die alle zur ICZ, zur IRG oder zu Agudas Achim gehören und nur das Gebet organisieren. Die einzelnen Gemeinden finanzieren sich durch Mitgliederbeiträge und Spenden. Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) ist der Dachverband der verschiedenen jüdischen Gemeinden in der Schweiz (Or Chadach ausgenommen) und hat seinen Sitz ebenfalls in Zürich. Nachfolgend die verschiedenen jüdischen Gemeinden.

 

Israelitische Cultusgemeinde Zürich (ICZ)

Die Israelitische Cultusgemeinde Zürich (ICZ) wurde im Jahr 1862 ins Leben ge­rufen. Obwohl unter der Leitung eines orthodoxen Rabbiners, ist die ICZ eine tra­ditionelle Gemeinde, das heisst so genannte Einheitsgemeinde, die Gläubige verschiedener Richtungen aufnimmt. So stellt die Integration von Teilen der jüdischen Bevölkerung in Zürich, die sich keiner jüdischen Gemeinde angeschlossen haben, eine weitere Herausforderung für die Gemeinde dar.

Zur ICZ gehören auch die Jugendorganisation Hagoschrim (Brückenbauer), die Vereinigung der jüdischen Studenten sowie der Israelitische Frauenverein Zürich, der bereits 1868 gegründet wurde. Als führende jüdische Gemeindebibliothek im deutschen Sprachraum bietet die ICZ der Öffentlichkeit über 50000 Titel (Monografien, Zeitschriften, Serien) in deutscher, englischer, hebräischer, jiddischer und russischer Sprache. Die ICZ zählt rund 2100 Mitglieder.

Kontakt:

Israelitische Cultusgemeinde Zürich, Sekretariat, Lavaterstrasse 33, 8002 Zürich, Postfach, 8027 Zürich, Tel. 01 2832222, Fax 01 2832223
www.icz.org

 

Israelitische Religionsgesellschaft ­Zürich (IRG)

Die Israelitische Religionsgesellschaft Zürich (IRG) wurde 1895 gegründet. Viele der Mitglieder haben deutsche Vorfahren (hauptsächlich aus dem süddeutschen Raum). Die IRG ist streng thoratreu und steht auf dem Boden des jüdischen Religionsgesetzes. Mission jeglicher Form wird abgelehnt. Die IRG möchte in Frieden das wahre Judentum im Sinne der Überlieferung leben. Zur Gemeinde gehören 330 Familien.

Kontakt:

Israelitische Religionsgesellschaft Zürich, Sekretariat, ­Manessestrasse 10, 8003 Zürich, Tel. 01 2418057, Fax 01 2418214 Natel 079 6690772
www.irgz.ch

 

Jüdische Gemeinde Agudas Achim

Agudas Achim (Gemeinde der Brüder) wurde Anfang des 20. Jahrhunderts ins Leben gerufen und ist ein Zusammenschluss von osteuropäischen Juden, die zu jener Zeit in die Schweiz eingewandert sind. Zu Beginn der 60er- Jahre wurde die heutige Synagoge errichtet. Zur Israelitischen Religionsgesellschaft (IRG) werden theologisch keine grösseren Unterschiede gesehen. Kleinere Differenzen bestehen in Brauchtum, Sitten und Religionsausübung. Zur Gemeinde zählen sich ca. 250 Personen.

Kontakt:

Jüdische Gemeinde Agudas Achim, Erikastrasse 8, 8003 Zürich, Sekretariat,
Tel. 01 4638033, Fax 01 4638045

 

Jüdische Liberale Gemeinde Or Chadasch

1957 gründeten liberale Juden die «Vereinigung für religiös-liberales Judentum in der Schweiz». 1978 wurde von dieser Vereinigung die Jüdische Liberale Gemeinde Or Chadasch (Neues Licht) ins Leben gerufen. Frauen und Männern wird die gleiche Stellung und Verantwortung zuerkannt. Die Gottesdienste sind kürzer als orthodoxe Gottesdienste, das heisst, Wiederholungen werden ausgelassen und die Liturgie ist etwas gestrafft. Die traditionellen Gebete werden hebräisch gesprochen, doch werden daneben auch deutsche Texte miteinbezogen. Neben religiösen werden auch kulturelle und gesellschaftliche Anlässe durchgeführt. Monatlich erscheint das Mitteilungsblatt Luchot (hebr. Gesetzestafeln). In der Schweiz existiert noch eine zweite Liberale Gemeinde in Genf. Die Gemeinde in Zürich zählt rund 500 Mitglieder (mit Frauen und Kindern).

Kontakt:

Jüdische Liberale Gemeinde Or Chadasch, Sekretariat, Hallwylstrasse 78, 8004 Zürich, Tel. 043 3220314, Fax 043 3220316
www.jlg.ch

 

Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund (SIG)

Der im Jahre 1904 gegründete Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) bezweckt die Wahrung und Förderung der gemeinsamen Interessen der Juden in der Schweiz. Der SIG ist die Dachorganisation der jüdischen Gemeinden (mit Ausnahme der beiden Liberalen Gemeinden in Zürich und Genf) und vertritt diese gegenüber den eidgenössischen Behörden und gesamtschweizerischen Institutionen, sowie internationalen jüdischen Organisationen. Er sieht sich in enger Verbundenheit mit Israel und den Juden in der ganzen Welt. Dem SIG sind 18 Gemeinden mit insgesamt ca. 18000 Personen angeschlossen.

 

Kontakt:

Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund, Gotthardstrasse 65, 8002 Zürich, Postfach 564, 8027 Zürich, Tel. 01 2015583, sowie 01 2015530 und 01 2018925,
Fax 01 2021672
info@swissjews.org
www.swissjews.org

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