Auszüge aus dem Buch

City-Kirchen (Offener St.Jakob)

Waren die Stadtkirchen, das heisst die im Stadtzentrum der jeweiligen Städte gelegenen Kirchen, früher Zentren geistlichen Lebens, sind sie heute wenig frequentiert und vor allem Orte touristischen Interesses geworden. Der Ursprung des Stadtkirchen- oder City-Kirchen-Modells liegt in England (und Holland), als Mitte der 1980er-Jahre begonnen wurde, das Angebot der Stadtkirchen auszudehnen. In England und Holland kennt man keine Kirchensteuer, und die Kirchgemeinden sind auf freiwillige Spenden angewiesen. Durch den Mitgliederschwund der letzten Jahrzehnte bedingt, mussten zahlreiche Gotteshäuser aufgegeben, einer neuen Nutzung zugeführt (Kino, Parkhaus, Museum etc.) oder sogar abgerissen werden. So mussten neue Wege gesucht werden, um den drohenden Bankrott aufzuhalten. Amsterdam zum Beispiel war früher die grösste protestantische Stadt der Welt, zu Ende des 20. Jahrhunderts gab es in ihr nur noch rund 26000 Reformierte und Lutheraner (bei 700000 Einwohnern). Der grosse Rest ist konfessionslos, gehört einer anderen Religion an oder ist Mitglied bei einer der vielen neuen christlichen Drittweltkirchen, die vielmals evangelikal-charismatischer Prägung sind. Um diese Entwicklung – welche auch in anderen Städten zu beobachten
ist – aufzuhalten, mussten neue Wege gesucht werden, welche im Modell «City-­Kirche» gefunden wurden. So werden in ­City-Kirchen neben den herkömmlichen Got­tesdiensten auch Dienstleistungen wie Candle-Light-Abendkonzerte, täglich geöffnete Geschenk- und Bücherläden, Café-Bars, gemeinsame Mittagessen in der Kirche, Jazz-Konzerte, verschiedene Meditationen, Handauflegen und andere mehr angeboten. Leitmotiv der City-Kirchen ist «Suchet der Stadt Bestes» (Jer. 29,7). Eine Stadtkirche (oder City-Kirche) war immer Kirche der BewohnerInnen der Stadt und Region. Die City-Kirchen-Arbeit versucht die alte Tradition, aus denen die kirchlichen Gebäude entstanden sind, mit heutigem ­Leben in Verbindung zu bringen, also aktuelles Leben mit der Geschichte zu verbinden. Wichtiger Bestandteil der City-Kirchen-Arbeit ist das ökumenische Gespräch und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Denominationen. Die Denomination steht bei den City-Kirchen nicht im Vordergrund, in ihr finden sich Angebote verschiedener Gruppierungen, so zum Beispiel auch buddhistische Zen-Meditationen oder Candomblé, religiöse Tänze aus Brasilien. City-Kirchen sollen nicht nur Kirche für Alt und Jung, Arm und Reich sein, sondern auch Kirche für Christen, Juden, Moslems, Buddhisten und Atheisten. Viele City-Kirchen werden von charismatischen Persönlichkeiten geleitet und leben hauptsächlich durch Freiwilligenarbeit.

City-Kirchen im eigentlichen Sinn gibt es in der Schweiz je eine in Basel, Bern, Zürich und St.Gallen. In Zürich begann die City-Kirchen-Arbeit Anfang der 90er-Jahre mit dem Offenen St.Jakob (Kreis 4, beim Stauffacher). Durch eine Vielfalt von Aktivitäten wurde eine enorme Belebung der Kirche zu St.Jakob erreicht. Seither finden täglich Anlässe statt. Die Kirche St.Jakob kann auch gemietet werden, so zum Beispiel für grössere Partys, was als ein Versuch gesehen wird, etwas zu tun, was nichts mit Kirche zu tun hat. Im Jahre 2001 fand die internationale City-Kirchen-Konferenz, ein Erfahrungsaustausch von über 80 Pfarrerinnen und Pfarrern, erstmalig in Zürich statt. Vermehrt werden in Zürich auch von den Altstadtkirchen bewusst ­City-Kirchen-Dienste angeboten. Es besteht eine Gruppe, die seit der internationalen City-Kirchen-Konferenz aktiv ist. Zu ihr gehören die Altstadtkirchen, die römisch-katholische Kirche Liebfrauen und der Offene St.Jakob. Weitere können dazukommen. Zurzeit wird diesen Kirchen innerhalb der City-Kirchen-Arbeit ihr spezieller Standpunkt zugeordnet. Der Gemeinschaftsgedanke steht im Vordergrund, das heisst, gemeinsam werden City-Kirchen-Dienste angeboten, die untereinander koordiniert und abgesprochen werden.

Veranstaltungen:


In der Regel tägliche Angebote in der Offenen Kirche ­St.Jakob, Stauffacherstrasse 34, 8004 Zürich. Für Informationen siehe Internet oder
Tel. 01 2414421

info@offener-st-jakob.ch.

Literatur:

• Dossier City-Kirchen (Artikel von Griete Rüedi im Kirchenboten 1/2002)

• Christoph Siegrist: City Kirche im Aufwind, KiK Verlag, Berg am Irchel 2000

Kontakt:


Koordinatorin Annelis ­Bächtold, ­Stauffacherstrasse 10, 8004 Zürich, Tel. 01 2428915, Fax 01 2428938
citykirche@limmat.ch
www.offenekirche.ch,
www.offener-st-jakob.ch

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